Sonntag, 28. Juni 2009

Kinder auch mal machen lassen

Die heutige Erziehung der Kinder hat wirklich sehr nachgelassen. Viele Kinder kennen keine Grenzen mehr, machen den ganzen Tag, was Sie wollen und genießen eine schlechte Erziehung. Auf der anderen Seite gibt es auch viele Eltern, die es mit der Erziehung einfach zu gut meinen. “Es gibt keine Schokolade!” “Hör auf in der Pfütze rumzuspielen - du machst dich ganz schmutzuig!” “Räum deine Spielsachen gleich wieder weg, wenn du fertig bist!” “Geh deine Hände waschen, nach dem du den Hund gestreichelt hast!” “Zieh deine Jacke an, es sind gerade mal 25 Grad draussen, aber es ist windig!” Kein Wunder, dass so manch ein Kind nicht zu bändigen ist! Ständig bekommt es gesagt: “Tu dies nicht, tu das nicht - Finger weg von den Sachen!” Neben den normalen Regeln, wann das Kind ins Bett zu gehen hat, wie lange Fernsehen geschaut werden darf und anderen Wichtigkeiten, ist es manchmal auch nicht verkehrt, Kinder einfach mal machen zu lassen.

Durch selbstständiges Ausprobieren, wird Ihr Kind schon merken, wo es sich weh machen kann und was passieren kann, wenn es eine bestimmte Handlung begeht. So lernt es am schnellsten, weil es die Folgen einer Handlung nachvollziehen und verstehen kann. Natürlich sollten Sie schon aufpassen, dass Ihr Kind nicht wahrlos die Messer aus der Schublade zieht, aber zumindest sollten Sie dem Kind schon in jungen Jahren auch mal zutrauen, alleine in die Küche zu gehen und sich einen Löffel aus dem Schrank zu holen, ohne dass Sie gleich Angst haben müssen, dass es Ihnen die ganzen Schüsseln aus dem Schrank räumt. Und selbst wenn?! Was kann schon dabei rauskommen, außer, dass Sie die Schüssel später wieder einräumen müssen? Das Kind hat seinen Spaß dabei und kann seine Umgebung erkunden. Was kann schon passieren, wenn Sie Ihr Kind, während Sie kochen auf die Arbeitsplatte setzen und es im Spülbecken mit Wasser spielen lassen, ausser, dass Sie später das feuchte Nass wieder aufwischen und Ihr Kind umziehen müssen? Kinder lieben Wasser und haben einen riesen Spaß daran, mit dem Element zu hantieren. Zudem fördert es die Selbständigkeit, die motorische Entwicklung und die Kreativität. Noch ein Plus: Sie können in Ruhe Ihre Essen zubereiten und Ihr Kind fühlt sich integriert, auch wenn es nicht wirklich zum Kochen beiträgt. 

Es gibt mittlerweile auch ganz tolle Kindergärten, die sich auf die Entscheidungsfreiheit der Kinder festlegen. In diesen Kindergärten gibt es keine Gruppen, in der jedes Kind seinen festen Platz hat, sondern Arbeitsgruppen, in denen verschieden Bereiche behandelt werden. So gibt es zum Beispiel ein Atelier, in dem die Kinder Wände bemalen dürfen und verschieden Techniken der Malerei kennenlernen. Der Werkraum bietet eine große Auswahl an verschiedenen Materialien, die man durch hämmern, kleben oder Stecken zusammenbringen und eine “Skulptur” entwerfen kann. Auch das sogenannte Labor öffnet für Kinder das kreative Tor. Dort können Sie mit Wasser und andere ungiftigen Substanzen Experimente machen und sich austoben. Da kann auch schon so manches mal der Raum unter Wasser stehen. Aber in solchen Kindergärten werden solche Aktionen zu Liebe der kindlichen Entwicklung akzeptiert und ausgelebt. Möchte man da nicht gerne wieder Kind sein?

Natürlich brauchen Kinder einen festen Tagesablauf, eine gute Erziehung und Regeln, die es zu befolgen hat, aber man sollte schon darauf achten, sich nicht allzu sehr darauf zu versteifen. Schließlich können Sie sich bestimmt selbst noch an Ihre Kindheit erinnern, in der sie vielleicht einiges ausprobieren wollten, es aber nicht durften. Geben Sie Ihrem Kind zumindest in Ausnahmefällen oder bestimmten Bereichen die Gelegenheit, seine Fähigkeiten kennen zu lernen und auszuleben - eine größere Freude können Sie ihm nicht machen! 

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